Der Rohstoff Nahrung und seine Folgen

Veröffentlicht auf von kralle

Vor zwei Tagen brachte ich meine Gedanken über den Krieg im Gazastreifen hier zum Ausdruck.
Es wurde viel und ausführlich darüber diskudiert. Danke noch einmal allen, die hier auf dieser Seite ihre Gedanken und Meinungen kund gaben.
Vorgestern nun bekam ich vom NAD ( Netzwerk Afrika Deutschland ) folgende Infomail.
Es wird hier von den feineren Methoden der Kriegsführung die Rede sein. Es geht wieder mal um Macht, Einfluss und natürlich um viel Geld. Der Rohstoff um den es hier allerdings geht ist Nahrung und Wasser...
Lest aber bitte selber.
Ich danke euch jetzt schon für die Mühe

Herzlichst rolf




Afrikas Land im Ausverkauf
Im 19. Jahrhundert beuteten die Kolo-nialmächte die Ressourcen fremder Länder aus. Heute ist der afrikanische Kontinent wieder ein begehrtes Objekt. In der Folge der Nahrungsmittel- und Finanzkrise kaufen und leasen Regierungen, Unternehmen und private Investoren Millionen von Hektar Land, um Nahrungsmittel und Agrartreibstoffe anzubauen.
DIE FAKTEN
2008 berichteten Medien und Forschungsinstitute von Landübernahmen riesigen Ausmaßes in Afrika:
In Madagaskar will der südkoreanischen Konzern Daewoo 1.3 Millionen Hektar fruchtbaren Landes für 99 Jahre pachten.
Uganda verhandelt mit Ägypten über bis zu 2 Millionen Hektar Landnutzung.
Der Sudan bietet 900.000 Hektar Land an.
Äthiopien und Tansania stellen große Landstriche für Zuckerrohr-, Palmöl- und Jatropha Plantagen zur Verfügung.
Katar erhält von Kenia 40.000 ha Land auf der Insel Lamu und baut dafür einen neuen Hafen.
Überall auf dem afrikanischen Kontinent kommt fruchtbares Agrarland unter die Kontrolle von Regierungen und Investoren aus arabischen, Staaten, Asien, Lateinamerika und Europa. Sind afrikanische Regierungen Komplizen einer Neu-Kolonisierung des Kontinents?
GRÜNDE FÜR INVESTOREN
Die Finanzkrise: Nach dem Platzen der Immobilienblase suchen Investoren neue Investitionsmöglichkeiten. Land ist eine gute Anlage.
2007-2008 hatten sich die Preise für Grund-nahrungsmittel auf dem Weltmarkt zeitweilig verdoppelt und versprechen hohe Renditen.
Die Nahrungsmittelkrise: Länder, die auf Nahr-ungsmittelimporte angewiesen und durch hohe Preise betroffen sind, wollen nicht länger von Spekulanten auf dem Weltmarkt abhängig sein. Sie versuchen, die Lebensmittelversorgung ihrer Bevölkerung durch eigene Produktion in anderen Ländern und ohne Mittelsmänner abzusichern.
Die Energiekrise: Angesichts der Klima- und der Energiekrise sind alle Staaten bemüht, die Abhängigkeit von importiertem Öl und Gas zu verringern. Für Agrartreibstoffe steht nicht genügend Land zur Verfügung. Also werden Anbauflächen für Biomasse in den Entwicklungsländern gesucht.
GRÜNDE FÜR REGIERUNGEN
Warum verschenken afrikanische Politiker den größten Reichtum des Landes, Grund und Boden, ohne adäquate Gegenleistungen? Bei den hohen Geburtsraten in den meisten afrikanischen Ländern wird auch wenig genutztes Land für kommende Generationen dringend benötigt.
Neben Korruption spielen kurzfristige Interessen eine Rolle:
Mit dem Angebot von Land werden neue Investitionen ins Land gelockt.
Bei hoher Arbeitslosigkeit sind Arbeitsplätze, auch schlecht bezahlte, eine politische Priorität.
Investoren versprechen einen Ausbau der Infrastruktur in ländlichen Gebieten, den sich die Regierung selbst nicht leisten kann.
Die Weltbank und die Europäische Bank für Entwicklung und Wiederaufbau machen starken Druck auf Regierungen, Landgesetze und Exportregeln für Nahrungsmittel zu Gunsten ausländischer Investoren abzuändern. 
DIE FOLGEN
Bäuerliche Familienbetriebe und traditionelle Gemeinschaften verlieren den Zugang zu Land und Wasser und können sich nicht mehr selbst ernähren.
Die produzierten Nahrungsmittel werden größ-stenteils exportiert und dem lokalen Markt entzogen. Die Lebensmittelpreise steigen.
Die industrielle Landnutzung zerstört die Artenvielfalt, verseucht die Umwelt und setzt genetische veränderte Organismen frei.
Die Schere zwischen Reichen und Armen, Gutgenährten und Unterernährten klafft immer weiter auseinander.
Gewaltsame soziale Konflikte werden sich dramatisch verschärfen.






Quelle: GRAIN,
http://www.grain.org/briefings_files/landgrab-2008-en.pdf

Veröffentlicht in Gedanken

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Travis 01/16/2009 16:28

Mir fällt dazu nicht mehr viel ein. Einfach nur pervers!!!

kralle 01/16/2009 16:49


Mir auch nicht. Ist aber Realität. Und dann putschen die "Industriestaaten" ihre selbstlose Hilfe auch noch entsprechend hoch, wenn z.B. Deutschland irgendwo in der Wüste nen Brunnen gebohrt
hat.



rolf


Travis 01/16/2009 14:09

Peter Brabeck, Chef von Nestle, hat sich einmal zum Rohstoff Wasser geäußert:

Also Wasser ist natürlich das wichtigste Rohmaterial, das wir heute noch auf der Welt haben. Es geht darum, ob wir die normale Wasserversorgung der Bevölkerung privatisieren oder nicht. Und da gibt es zwei verschiedene Anschauungen. Die eine Anschauung – extrem, würde ich sagen – wird von einigen, von den NGOs vertreten, die darauf pochen, dass Wasser zu einem öffentlichen Recht erklärt wird. Das heisst, als Mensch sollen Sie einfach das Recht haben, Wasser zu haben. Das ist die eine Extremlösung. Und die andere, die sagt, Wasser ist ein Lebensmittel; so wie jedes andere Lebensmittel sollte das einen Marktwert haben.“

Vor 30 Jahren hätte man sowas erschossen und in einen Kofferraum mit Bekennerschreiben gestopft. Früher war halt alles besser!

kralle 01/16/2009 14:35


Es gibt da auch ein wunderschönes Video über die Wasserverteilung von Marokko. Das selbe Problem, mit fast der selben Aussage wie in deinem Artikel wurde da angegeben. Nur war es in diesem Fall
zwei französische "Wassergesellschaften", die sich da um Marktanteile erst stritten, um schlieslich den ganzen Markt zu beherschen. Das ging sogar soweit, das altte Wasserstellen, an dennen
jahrhunderte lang jeder seinen "Bedarf" an "Grundnahrungsmittel" Nr. 1 stillen konnte, versiegelt wurde und nur gegen einen Aufpreis benutzen durfte. Viele Wohnungen, alleine in Rabat und
Casablanca die vorher gerade noch bezahlbar waren, konnten von den alten Mietern nicht mehr finanziert werden. Und das nur, weil die Wasserpreisse am Ende über den sozial vertretbaren Preisen
lagen. Das war nach meinem Erkentnissstand vor drei Jahren. Ich kann mir nicht vorstellen, das sich die Lage da entspannt hat. Zumal es da wirklich am Ende um "Millionen" geht. Das traurige ist
nur, das hier die Regierung dieses Spiel mit macht. Gerade in Gebieten und Ländern, wo Wasser überlebenswichtiger ist als bei uns hier - wobei auch Europa Wasserprobleme hat - wird gerade dieser
Umstand wieder als "Erpressung" zum Zwecke des "Eigennutz" verwendet. Manche lernen es einfach nie.


r.g.belle


Mina 01/16/2009 11:31

Ja da läuft irgendwas vollkommen schief und keine Ahnung wie man das alles stoppen kann. Es fängt halt alles bei einem selber an, einfach mehr darauf achten einheimische Produkte zu kaufen, auch wenn sie teurer sind, damit unterstützt man unsere Bauern, unsere Wirtschaft und lässt den anderen ihr Land und ihre Güter die sie eh selber brauchen.

kralle 01/16/2009 13:38


Hmm Mina. Das wäre immerhin ein Schritt. Wenn auch ein kleiner. Aber das Übel liegt bekanntermassen an der Wurzel und nicht bei der Blüte.
Afrika wird z.B. jedes Jahr alleine nur von Hungerkatastrophen überschwemmt, an dennen Millionen Menschen sterben. Es gab eine Zeit, da haben viele Länder, die EU ebenfalls, Schiffsladungen von
Büchsenfleisch, Cola und anderen Müll in die betroffenen Gebiete geschickt.
Milliardenbeträge, was am Ende der jeweiligen "Spendenation" wirtschaftlich zugute kamm.
Am Ende brauchen diese Laänder andere Unterstützungen. Wie wäre es, wenn man allumfassend die Landwirtschaft und Wirtschaft mit Aufbauen würde.? Wenn auch technologische Hilfe bei der Bekämpfung
von Hunger und Krankheit aus den führenden Industrieländern folgen würde. und nicht nur leere Versprechungen? Seit ein paar Jahren bemühen sich vorwiegend "private" Initiativen den Menschen da zu
helfen. Aber das ist doch nur ein Tropfen auf dem heissen Stein. Die Staatengemeinschaften sind hier gefragt und gefordert. Aber solange "wir" alle nur selbstzufrieden dabei Zuschauen, wie z.B. im
Kongo wieder tausende Menschen "abgeschlachtet" werden und uns dabei denken, sind ja nur "Afrikaner", die haben doch eh genug Menschen, solange wird sich auch in Afrika nix ändern. Leider.
Afrika ist ein wunderschöner Kontinent. Einst die Wiege der gesamten Menscheit, sollten wir aufpassen, das er nicht
auch unser aller Grab wird. Denn die Probleme welche heute da akut sind, werden schnell unsere "hauseigenen" werde.
Das die Geburtenrate in Afrika so hoch ist, hat doch auch natürliche Gründe. Wenn von 10 Kindern einer Familie vielleicht nur 8 das 5. Lebensjahr erreichen, ist es doch normal das die Familie in
der Masse das Überleben sucht. Dann muss ich nachdem Grund fragen wieso das so ist. Vor fast 300 Jahren lebten auch schon viele Menschen auf dem schwarzen Kontinent. Sie hatten aber mit Sicherheit
nicht die Probleme mit denen sie heute zu kämpfen haben. Und das schlimme daran ist, das der Mensch aus der sogenannten Zivilisation die grösste Schuld an diesen Missständen der heutigen Zeit
hat.
Liebe Mina...entschuldige bitte diesen Exkurs. Das ist ein heisses Thema, welches mich schon viele Jahre und so beschäftigt.
Ich danke dir aber fürs Vorbeischauen und deinen Kommentar.
Dir noch ein schönes Wochenende.

LG rolf


Travis 01/16/2009 10:49

Was soll man dazu sagen? Die haben vollkommen recht. An dem heutigen Geld der ehemaligen Ausbeuterstaaten klebt Blut - und das nicht zur wenig! Bei solchen Ungerechtigkeiten würde ich am liebsten den ganzen G8 Gipfel in....Nee, ich sag es lieber nicht. Der BND observiert mich eh schon;-)

kralle 01/16/2009 13:19


Nix kannste mehr sagen. Ich sehe nur, das sich da langsam aber sicher ein neuer und weit gefährlicher Krisenherd selbst erzeugt.
Ohne Öl können wir auch noch auskommen. Auch wenn es im Augenblick schwer vorstellbar ist. Aber ohne den "Rohstoff" Wasser oder Nahrung max. 21 Tage. Und irgendwann wird auch noch um den
"Sauerstoff" geknüppelt.
Bei solchen Sachen frage ich mich immer, ob wir es wirklich am Ende verdient haben hier leben zu dürfen. Bedürfnisse und Ansprüche ist ja alles gut und schön. Aber zu welchem Preis. Vorallem auf
wesen Schultern wird das am Ende alles ausgetragen?

Dir auch....


rolf


Helene 01/16/2009 10:19

Und dann gibt es da noch die Riege der Hedge Fotnts Manager, die mit allem Zocken, was dieser Planet hergibt. Sehr gern auch Nahrungsmittel. Heute Reis, morgen Kakao...HerzlichstHelene

kralle 01/16/2009 13:13


Tja Helene. Und irgend wann steht in den Geschichtsbüchern, das der Mensch sich und seine "Zivilisation" stürmisch weiterentwickelte.
Manchmal denke ich wirklich, das der Mensch ein absoluter "Egomane" ist und bleibt.