1975 - 1977 vom ersten Ferienlager bis zum ersten Knutschfleck Teil 2

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1975 - 1977 vom ersten Ferienlager bis zum ersten Knutschfleck



 

 

„Eine Jugendsünde ist es, wenn man jung ist - und es verpasst.“

  ( Erich Maria Remarque )

 



Teil 2 Sturm und Drang der Gefühle

 

 

Es war aber auch eine Zeit des Erkennens der eigenen „männlichen“ Schwachpunkte. Ich verliebte mich in ein Mädchen. Diesmal waren diese andersgeschlechtlichen Geschöpfe keine doofen Zicken mehr, sondern wurden unter geschlechtsbiologischen Aspekten betrachtet. Den Unterschied zwischen Männlein und Weiblein lernte ich ja schon unter anderem durch das damalige „MAGAZIN“ ziemlich deutlich und „händeproduktiv“ kennen. Und was wir nicht wussten, brachten wir uns zum Teil selber in den jeweiligen grossen Pausen in der Schule bei.

Aber selbst die intensivste „Ablenkung“ durch Lesen oder sportliche Aktivitäten konnte die daraus resultierenden Gelenkschmerzen in den Händen nicht verhindern. Meine Gedanken drehten sich nur um die „Eine“ und um das „Eine“. Es war schrecklich, aber wunderschön.

 

Mein damaliger Kumpel bemerkte natürlich schnell mein Problem, war er doch selber gerade in einer fast ähnlichen Situation wie ich.

„Eh, Alter“, sagte er deshalb eines Tages zu mir, „nur mit Anlächeln und Augengeklappere kommste nie an die Braut ran. Da musste dir schon mal was anderes einfallen lassen.“ Sprachs und streckte mir eine Flasche der Pausenmilch entgegen.

„Da gehste jetzt hin und gibste ihr.“ Dabei grinste er mich frech an.

„Kann ich nich. Getrau mich nich.“

Er nahm ein Stück Papier, reichte es mir. „Los. Schreib irgend etwas drauf. Vielleicht fällt es dir dann leichter.“

Ich nahm das Papier und nach kurzer Überlegung schrieb ich spontan folgenden

Satz: „DU HAST VERGESSEN DEINE MILCH ZU TRINCKEN. GRUSS ROLF“

Er schüttelte nur mit den Kopf, nahm den zusammengefallteten Zettel und die Milchflasche. Beides stellte er nun für mich gut sichtbar auf ihr Schulpult.

Jetzt hiess es warten. In der nächsten Pause stand eine leere Flasche auf meinem Platz, ebenfalls mit einem Zettelchen.

„DANKE. ABER TRINKEN SCHREIBT MAN OHNE C. GRUSS.“

Es war meine erste bewusste Bekanntschaft mit der „Ausdrucksstärke“ einer werdenden jungen Frau, sowie meiner Unkenntnis in der deutschen Rechtschreibung.

Mädels waren nun wieder doofe Nutztiere der sozialistischen Landwirtschaft.

Dieser emotionale „Kulturschock“ hielt Dank meiner immer fortschreitenden „Testosteronisierung“ allerdings nicht lange an. Mir lief ein Geschöpf wie aus dem Magazin entstiegen über den Weg. Nur mit dem Unterschied, dass in jener Zeitschrift die Damen alle ohne jegliche Stoffhüllen auskamen. Diese aber trug noch die ganze weibliche Ausrüstung eines Teenagerkleiderschrankes der damaligen Zeit auf ihrem Körper.

Mein Jagdinstinkt war wieder geweckt, mein Ego gefordert.

Die Sache hatte nur einen Haken. Sabine, so hiess damals meine „Göttin“, hatte zwar den Ansatz, zu einer durchaus voll ausgebildete Muse meiner pubertären Wunschträume zu avancieren, aber meine Phantasien deckten sich nicht mit ihren Vorstellungen. Und so war schon Schluss, bevor eine wahrscheinlich der schönsten „Liebesgeschichten“ der damaligen DDR ihren Anfang hätte nehmen können. Ein Typ, genauer gesagt ihr Freund aus der 10. Klasse, brachte mich wieder zurück auf den Boden der Realität, am Ende an das Händchen einer ebenfalls mit Pickeln im Gesicht beschenkten 3. Garde der jungen Weiblichkeit. So befand ich mich wieder da, wo alles einst anfing. In einem Zeitungsladen, das Magazin in der Hand und sogenannte Stützbänder aus Leder um die Handgelenke.

Die Zeit heilt bekantlich viele Wunden und ich pflegte nun fleissig meine Stimmbänder in unserem Schulchor, meine motorischen und körperlichen Überreflexe in der damaligen Betriebssportgemeinschaft Judo. Es war eine gute Kombination.

Die kämpfende Stimme.

Und ich kämpfte viel um die Gunst der damaligen Mädels. Ich liess keinen Zweifel aufkommen, keinen Augenblick ausser Acht, meine gesangstechnischen und körperlichen Errungenschaften voll und ganz ins „Damenschlachtfeld“ zu führen. Es war eine abwechslungsreiche, wohltuende und erlebnisreiche „Irrfahrt“ auf der Suche nach der Selbstfindung. Gepflastert mit Knutschflecken auf weiten Teilen beider Körper mit Wellenfahrten, die hoch wie ein Hochhaus waren. Aber auch mit tiefen Abstürzen ins Meer der Tränen.

 

So verging das Schuljahr wieder im Pendel schwingenden Zyklus meiner Erinnerungen. Acht Wochen Sommerferien standen an und ich durfte dieses Jahr nicht in das Betriebsferienlager fahren. Die Gründe hierfür lagen zwar auf der Hand, waren aber für mich nicht verständlich. Und so kam es, dass ein neuer Abschnitt in meinem Leben beginnen sollte. Normalerweise war es Schülern erst ab einem bestimmten Alter erlaubt, während ihrer Ferienzeit für zwei Wochen in einem sozialistischem Betrieb zu arbeiten. Das hatte den Vorteil, dass der entsprechende Schüler an die „Realität“ des täglichen Broterwerbes herangeführt wurde, der jeweilige Betrieb aber auf diese Art eine billige Arbeitskraft mehr hatte. Arbeitskräftemangel war zur damaligen Zeit in vielen Fabriken und Kombinaten ebenso ein Thema wie Materialmangel und Qualitätsverluste. Da ich aber trotz der äusserlichen Vortäuschung noch keine 14 Jahre alt war, gab es Probleme mit der entsprechenden Bewilligung. Der Umstand, dass im Betrieb meiner Mutter aber gerade in der Urlaubszeit viele Produktionsstellen unterbelegt waren, sowie die Tatsache, dass ich es körperlich mit einigen Fleischerlehrlingen des 2.Lehrjahres durchaus aufnehmen konnte, verhalfen mir schliesslich zu einem relativ gut bezahlten Ferienjob.

 

 

Teil 3 folgt bald.

Danke

 

 

rolf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht in Zeitreise

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Chris 02/24/2009 12:00

Ich sollte auch mal mein Leben Revue passieren lassen. Nee, lieber nicht. Manche könnten dann ein völlig falsches bzw. neues Bild von mir erhalten;-).

kralle 02/24/2009 12:57


Dazu wäre es erst einmal gut überhaupt ein Bild von jemanden ( dir ) zu haben.
Aber ich kann hier versichern und jedem - auch dem der es nicht wissen will - sagen, das der erste Eindruck täuscht bei dir. Es steckt viel mehr "Müll", allerdings im positiven Sinne, in und hinter
dir als mancher vielleicht vermuten würde. 
Bleib wie du bist und vielleicht solltest du deinen "Gang" wirklich festhalten. Wäre eine spannende und lustige Sache.


rolf


Dornen (Ika) 02/19/2009 23:22

Hallo Rolf,na, das hast Du super geschrieben. Tolle Zeit, die Jugendzeit, sie hatte was.Viiieeel ruhiger bist Du sicher nicht geworden, oder?Gute Nacht.GrußIka

kralle 02/19/2009 23:45


Danke Ika. Das weis ich nicht. Jedenfalls aus meiner Sicht würde ich schon sagen ja. Ich lasse vieles ruhiger angehen als damals. Und singen, sowie prügeln gehören auch nicht mehr unbedingt zu
meinen alltäglichen Gepflogenheiten. Wobei.....manchmal kitzelt es schon noch. Aber sobald ich mich schneller als eine Schnecke bewege, melden sich die Knochen, auf welche ich in den letzten 30
Jahren kaum Rücksicht genomen hatte. Aber innerlich.......
Schönen Abend, sowie...LG rolf



Franziska 02/19/2009 01:47

Habe mich köstlich amüsiert über deinen schönen Schreibstil.
Das mit der Milch hätte tatsächlich funktionieren können, aber Du bist wohl an eine Materialistin geraten. Milch austrinken und sich DANACH über Rechtschreibfehler beschweren. tztztz
Ich bin auf Teil 3 gespannt und von wem Du letztendlich den Knutschfleck bekommst.

kralle 02/19/2009 08:33


Mir ist schon klar das gerade und speziell Frauen auf soche Momente zwar keinen Wert legen, aber nicht desto Trotz "NEUGIERIG" sind.
Wenn sie NEIN sagen meistens JA meinen und umgekehrt. Keine Ahnung was die Natur damit bezweckt, oder uns Männer so auf diese Art mitteilen will.
Danke fürs Vorbeischauen und Lesen.

LG rolf


Volker 02/19/2009 00:22

Ja die ersten Annäherungsversuche, war schon ne spannende Zeit. Ich hatte in den Sommerferien ab der 8.Klasse immer 2 Ferienjobs. Einmal offitiel beim Vater im Betrieb und inoffiziell bei meinem Onkel in der Gärtnerei. War auch ne schöne Zeit. LG Volker 

kralle 02/19/2009 08:24


Ich muss auch sagen, dass mir jene Zeit ebenfalls gefallen hat. Zumal das Geld ein jugendlicher der weder Taschengeld noch sonstige "legale" Möglichkeiten zum Gelderwerb hatte, gut gebrauchen
konnte.


LG rolf


PS: Nochmals heute viel Erfolg und Glückwunsch......Meister!


Margot 02/18/2009 22:56

Waren das jetzt schon die wandernden Pickel? War das alles? Da hätte ich mir wesentlich tiefschürfendere Geheimnisse erwartet. War in jener Zeit gestraft mit einem großen Bruder (bin ich jetzt auch noch), der seine Erlebnisse in "Romanform" verarbeitet hat. War aber nicht so stilistisch gelungen wie dein Bericht.Liebe Grüße von Margot

kralle 02/18/2009 23:10


Liebe Margot. Ich habe heute schon einmal feststellen müssen, dass Frauen nicht mit Geduld gesegnet sind.... Ich bin a)
noch nicht fertig und b) ist mir klar das auch nicht alles hier stehen kann. An ein Buch habe ich auch schon selber gedacht und auf "Vorlage" gelegt. Nur im Augenblick sitze ich an einem anderem
Projekt. Aus diesem Grunde werden hier auch nur Auszüge zu lesen sein. das mit dem Schreiben ist sone Sache. Wenn dein Bruder ernsthaft daran interessiert ist, empfehle ich ihm die GSDS in Hamburg.
Dauert zwar fast zwei Jahre, aber ich denke mal es lohnt sich. Oder aber das Biografiecentrum München. Geht auch zwei Jahre. Aber da bekjommt er das Rüstzeug für einen richtigen "Autor".


LG rolf


PS:Danke übrigens für das Lob.