Tagebuch Schönried/ Dienstag 03.03.2009

Veröffentlicht auf von kralle

Dienstag:



Ich hatte geschlafen wie ein Stein und wurde auch wie ein solcher geweckt. Um mich Dunkelheit. Aber ein Kratzen am Bett und Ablecken meiner um Frischluft ringenden Füsse, liesen mich schnell wieder in die Realität der allmorgendlichen Pflichten aus meinen nebulösen Träumen zurück stürzen. Es musste so gegen acht Uhr sein. Jedenfalls machte Timmy entsprechend auf sich aufmerksam. Sein Winzeln lies keinen Zweifel über die „Dringlichkeit“ des Anliegens offen. „Wenn du nicht bald mit mir raus gehst, kacke ich dir zwar nicht in die Schuhe, aber vors Bett. Alter, du weist das ich das ganz gut drauf habe.“ Diese Winzelsprache am frühen Morgen kannte ich nur zu gut. Um so schneller bewegte ich mich aus den Federn in Richtung Bad. Unser Hund gibt sich damit erst einmal in der Regel zufrieden, da er sieht das sich etwas tut. Und nachdem ich auch noch schnell unter seinem tadelndem Blick meinen ersten Kaffee für heute runterkippte, stand er schon Schwanz wedelnd an der Tür. „Nun mach schon alter Sack und beeile dich“, konnte dieser straffende Ausdruck seiner Hundeaugen nur bedeuten. Kaum draussen an der frischen, schneereichen Luft, lies er nicht mehr locker. Von der Leine gelöst, sprang Timmy wie ein junges ungebändigtes Fohlen durch den meterhohen Schnee. Dabei war es ihm egal wie tief er versank. Die Schnauze leicht nach vorne gebeugt, pflüggte er wie eine Schneefrässe durch die Gegend. An manchen Stellen war nur noch die freudig peitschende Schwanzspitze als Markierung aus zu machen. Und ich hatte nun endlich Gelegenheit die atemberaubende Schönheit dieses Fleckchens Erde in mich auf zu nehmen.

Nach fast zwei Stunden Marsch durch die Schneelandschaft von Schönried, durfte ich mir endlich in Ruhe mein wohlverdientes Frühstück gönnen. Dank der weisen Vorraussicht meines Mohnblümchens und eines gewissen Vorrates von Nespresso, genoss ich am späten Vormittag in Ruhe und Beschaulichkeit meinen Kaffee. Zwei Teile Finezzo mit einem Teil Capriccio, einem Spritzes Amaretto und einem Häupchen Sprühsahne, sowie einem „schnarchendem“ Hund vor dem Kamin. Seele was brauchst du mehr......

Schreiben, schreiben und nochmals schreiben. Das war mein Credo für heute, welches ich auch bis ca. 15 Uhr mit einigen kleinen Rauch - und wie oben beschriebenen Kaffeepäuschen durchzog. Timmy macht mich darauf aufmerksam, das es langsam mal an der Zeit wäre, auch etwas gegen den Hunger zu unternehmen. Der Hund ist schlau und durchtrieben. Jedenfalls ist sein Stammplatz, wenn ich in der Küche hantiere vor der Tür, in der berechtigten Hoffnung, dass Herrchen Erbarmen hat und ihm was abgibt. Das Schlitzohr von Hund kann sowas herzerweichend schauen, das ab und an fast wie von alleine schon so manche Karotte oder Stückchen Brot die Küche verlies, um in den fressgierigen Rachen besagten Tieres zu landen. Eigentlich sollten ja diese Woche die Chinesen in der bordeigenen Küche hier das Sagen haben. Aber da ich noch Tortellonis mit einer entsprechenden Pilzrahmsosse fand, war der kulinarische Konflikt vorprogrammiert. Jedenfalls war das Gemaule von seiten der chinesischen Fraktion im Vorratsschrank ziemlich laut und unmissverständlich. Trotz Androhungen von diplomatischen Kochkonflikten, entschied ich mich in diesem Fall für die italienische Seite und lies es mir hervorragend schmecken. Eine Stunde anschliesend mit dem Hund vors Haus, tat nicht nur ihm, sondern auch meinen halbverdauten Italienern gut. In Angedenk an die noch vorhanden Vorräte im Kühlschrank, sowie in den angrenzenden Bereichen der Bevorratung, muss ich mich selber fragen, wieviel „Wochen“ ich hier wohl verbringen könnte......?

Von 17 bis 20 Uhr habe ich mir die Mühe gemacht noch einige Gedanken fest zu halten, sowie einige verheissungsvolle Blicke zu meinem ausser Reich - und Trinkweite stehenden Griechen zu riskieren. Nachdem nun auch die letzte Runde mit dem Hund für heute hinter mir liegt, mein kulinarisches Abendbrot sich schon in Richtung Zwölffingerdarm auf den Weg gemacht hat, habe ich nun endlich Zeit und Musse, mich mit Kourtaki näher zu unterhalten. Schon eigenartig. Früher sind überdimensionierte Hunde unter dem Gewicht der bis zum Stutzen mit Billigbrantwein befüllten Fässer um ihren Hälsen fast schier zusammen gebrochen. Heute gibt es die REGA und andere auf antialkoholischer Basis funktionierender Rettungsdienste hier in den Bergen. Aber das Gefühl im Winter bei Kaminfeuer einen edlen Tropfen die Kehle runter röhren zu lassen, ist geblieben. Und so werde ich den heutigen Abend ohne Stress und Zwang, in den Armen jenes „rot blütigen“ Flaschengeistes aus Griechenland verbringen und dem Echo des Wellenspieles in meinem Weinglas tiefsinnig lauschen.

Veröffentlicht in Alltag

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Dornen (Ika) 03/05/2009 20:36

Pass mir gut auf Timmy auf... Hund im Schnee und Du mittendrin na, Du wirst ja hoffentlich ordentlich arbeiten, während hier alles faul ist, oder wie? GrußIka

Mondblume 03/04/2009 20:59

Och Menno, so schöne Berge und fern ab von Autolärm und Stress, da hätte ich auch Lust zu, ANDERERSEITS, ist es hier aber vollkommen schneefrei und es wird langsam Bunt, sprich der Frühling wird sichbar, auch nicht schlecht...Ich wünsche Dir eine schöne Zeit..Lieber Gruß Regina

th 03/04/2009 11:12

du machst das jetzt wirklich, .................... Sadist.

druide 03/04/2009 11:09

langsam wird es zeit dass du dich wieder in die tiefen des urnormalen flachlandlebens begibst. denn wenn das so wiedergeht, pack ich den rucksack (samt lap) und verpisse mich ebenfalls irgendwo in die nähe des himmels. in die hölle gehts dann später von selbst. frührentner müsste man sein...890u8nu8xttgz6xx!!!!  hergottnochmal!