Johannes Passion

Veröffentlicht auf von kralle

Eigentlich sollte hier an dieser Stelle ein „tiefschlürfender“ Artikel über „Sinn und Unsinn“ der heutigen Kirche, ihrer „Deutungsweisen“ und „Daseinsberechtigung“ stehen. Eigentlich. Aber da Mohnblümchen und ich in letzter Zeit komischer weise sehr viel über dieses Thema „philosophieren“ kamen mir irgendwie Zweifel. Nicht am Ende selber an dem Thema, sondern an der „Unvollkommenheit“ der entsprechenden Berührungspunkte welche mich nachhaltig beschäftigen. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich mich speziell seit langem schon mit diesem Thema beschäftige und eine ziemliche ......„Einstellung“ der Kirche als solches schon immer hatte. Ich betone der oder die Kirche und nicht den Menschen des Glaubens gegenüber. Jedenfalls möchte ich das erst einmal etwas hier zurückstellen und lieber über den gestrigen Abend berichten.

Ausserdem erhielt ich heute ein für mich ziemlich spannendes und interessantes Buch von Doris, welches ich auch erst einmal in seiner Gesamtheit erfassen und verarbeiten möchte. „Sternstunden der Religion“ von Ralf Ludwig heist es. Es wird aber mit Sicherheit demnächst ein entsprechender Artikel gerade über das Thema hier erscheinen. Auch wenn ich damit vielleicht den einen oder die andere unter euch etwas aus der „vorgefertigten“ Meinungsschiene bringen sollte. Es ist aber für mich auf der anderen Seite ziemlich wichtig, da ich gerade mit diesem Thema schon lange an einem Buch sitze und etwaige elementare Grundsätze besser verstehen und erkennen möchte. Ausserdem wäre es zu einfach denke ich, das Thema kirchlichen Glauben als solchen einfach abzuwinken oder als „falsch“ zu bezeichnen. Es gibt für mich auch als „Ungläubigen“ immer noch zwei Seiten der Betrachtungsweise. Und deswegen möchte ich auch nicht dies mit „vorgefertigten“ Vorurteilen das alles „Scheisse“ ist abtun. So. Und jetzt zu gestern Abend. Ich habe also einige Passagen herraus genommen, weil.... die Begründung steht ja oben. Werde mich also „nur“ auf das Erlebte konzentrieren.

 

 

Was ist das?

Es ist in der Regel rechteckig, sehr gross und hat relativ viele grosse Fenster. In ihm befinden sich in zwei Reihen nebeneinander duckend, dutzende von harten Sitzmöglichkeiten. Und vorne oder an der Seite bekommt jemand ne Extrawurst, indem sein „Stellplatz“ separat angebracht wurde. Falls es immer noch zu keiner „Erleuchtung“ gekommen sein sollte, noch ein kleiner Tipp. Hier fehlt zwar der „Lattengustel“ und ähnliche sympolträchtige „Leidensbilder“, aber eine grosse Orgel sorgt auch hier unter Umständen für Disco mässigen Sound. Jedenfalls was die Lautstärke betrifft. Und klingelt es jetzt in der Kollekte? Ahhhh. Genau.

Es war eine Kirche in der sich Mohnblümchen und Rolfi gestern Abend die Zeit zwischen den Gehörorganen vertrieben.

„Johannes Passion“ von Johann Sebastian Bach. Und das in seiner vollen Länge. Ich meine natürlich die Passion. Warum ich das erwähne und mir hier einen Artikel wert ist?

Erstens höre ich Bach wirklich gerne. Jedenfalls seine Orgelmusik.

Zweitens respektiere und achte ich jeden Menschen seinen Glauben. Solange er nicht versucht mich durch seinen Dogmatismus bekehren zu wollen, da ich es mit meinem „Unglauben“ ja auch nicht tun werde.

Und drittens war ich freiwillig zu dieses Konzert mitgegangen aus dem Grund... siehe erstens.

 

Also wie gesagt. Mohnblümchen und ich waren wieder einmal sehr spät dran und hatten schon Angst keinen vernünftigen Platz zu bekommen. Aber das ist ja nix neues bei uns, da ich gerne immer etwas rum bummle. Wir schafften es aber dennoch genau auf die Minute in der Kirche zu erscheinen, hatten sogar noch die Möglichkeit uns einen Platz selber zu erwählen. Das verwunderte mich schon ein wenig. Schliesslich war ich es aus vergangenen Konzerten gewohnt, dass wir immer irgend einen Platz als „Randerscheinung“ bekammen. Sogar auf Klappstühlen und halb hinter Blumenkästen „getarnt“ musste ich schon einigen kirlichen Abklängen lauschen. Hier waren aber nur ca. 35 Bankreihen sehr gut besucht. Die restlichen „Holzgelegenheiten“ hatten sicher auch schon bessere Besucherzahlen erlebt. Wer nun denkt, dass dies vielleicht etwas mit der musikalischen Darbietung des Orchesters, des Chores und der restlichen 5 Gesangssolisten zu tun gehabt haben könnte, liegt total falsch. Die reine musikalische Darbietung war schon ein „Ohrenschmaus“. Gut. Das werden jetzt einige nicht ganz verstehen. Kirchenmusik, Ohrenschmaus und gebeutelter pseudo Sozialist..... Wie passt das den zusammen? Ganz einfach. Ich mag die reine Musik als solches. Übrigens trifft dies auch auf viele englisch gesungene Lieder. Die Musik ist z.T. erträglich bis gut, wenn oftmals diese Texte nicht wären. Aber ich schweife ab. Also. Es ist die reine tiefe Stimme der Orgel z.B.,welche mich in einen bestimmten

Zustand versetzen kann. Und genauso ist es die reine bauliche Architektur, welche mich bei kirlichen Bauten in teilweise Verzückung und Bewunderungen abtauchen lässt. Es ist also das rein technische, fast als unmachbar erscheinende, was mich an dieser Einrichtung mit Namen Kirche so fasziniert. Alleine die Akkustik in solchen „Anlagen“ ist schon einmalig. Natürlich sehe ich auch den Aufwand und das „versteckte“ Leid welche solche Gotteshäuser bei ihrer Entstehung hinterliesen. Aber das ist auch wieder so ein, vorallem anderes Thema. Darum geht es mir heute garnicht.

Als Bach die Johannes Passion vor ca. 285 Jahren schrieb brach er eigentlich mit damaligen üblichen kirlichen „Musikgewohnheiten“. So komponierte er die Passion ohne strikte Trennung zu weltlichen Musik und intigrierte lyrische Texte in die ansonsten üblichen biblischen überlieferten Stellen ein. Auch bei der Gestaltung des Werkes selber wurden Elemente aus der italienischen Oper übernommen. So erhielten seine Passagen einen Rezitativen und arienhaften Charakter, was in der damaligen Zeit langsam in Mode kam und selbst vor kirlicher Musik nicht halt machte.

Und wer nun an dieser Stelle denkt oder glaubt, na der hat aber schön „gegooglt“ muss ich euch enttäuschen. Ich mag wirklich Bach und seine Musik. Was ja nicht unbedingt den absoluten Fanstatus bedeuten muss. Und das nicht erst seid gestern Abend. Und so bleibt es natürlich nicht aus, dass sich gewisse Bachartefakte in musischer Form ansammeln. Allerdings wie schon erwähnt....., wenn manchmal diese Texte nicht wären.... . Jedenfalls war es rein musikalich gesehen nicht nur ein gelungener Abend, sondern im Anschluss dananch auch die sich formende „Diskussion“ zwischen Doris und mir. Das schöne bei meinem Mohnblümchen ist ja, dass ich wirklich, und ich meine hier auch wirklich, über alles mich mit ihr offen unterhalten und entsprechend diskutieren kann. Und dabei geht es manchmal richtig „zickig“ zu. Aber am Ende denke ich mal, dass es beiden Seiten immer etwas gebracht hat. Mir auf alle Fälle. Und das Resultat unserer gestrigen mitternächtlichen „Gesprächsrunde“ war, dass sie mir heute oben benanntes Buch überreichte, welches ich nun erst zu Ende lesen möchte. Bin erst auf Seite 185. Wird also noch ein paar Tage dauern, bis ich mit dem tasächlichen Grundanliegenmeines Artikels hier rausrücken werde. Und so habe ich den Bogen zum Anfang wieder gefunden, wünsche euch allen noch einen schönen Restsonntag und guten Start in die neue Woche.

Mache jetzt erst einmal meine „Blogrunde“ hier zu Ende.

 

 

rolf

 

 

PS: Hier könnt ihr übrigens Mohnblümchens Sicht des gestrigen abends selber nachlesen.

 

http://www.dodos-geschichten-blog.de/  Artikel "Oh Gott....!"


 

 

Veröffentlicht in Gedanken

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Sabine aus dem Spinnrad 04/08/2009 00:31

Freut mich, lieber Rolf, dass ihr euch so richtig schön anzicken könnt glaub mir ... das ist unheimlich viel wert ... nach so zwanzig Ehejahren darf ich das sagen, gell?Ich bin gespannt, was du über dieses Buch erzählst was mich anbelangt - ich kann jedem seinen Glauben lassen - aber es ist ein "Glaube" sonst müsste es "Wisse" heißen.Ich hab mich viel mit dem Thema beschäftigt - und ich entferne mich mehr und mehr.Vor Kurzem war ich mit einer Freundin im tiefsten Eifelwald (unserer Männers waren auf Radtour) Wir sind stehen geblieben ... einfach so ... mittendrin ... kein Mensch zu sehen ... hörten den Wind ... Rauschen ... sahen den blauen Himmel ... und ich fragte: wer braucht bei so etwas eine Kirche?Kein Ahnung, sagte meine Freundin ...Ich wünsch dir eine angenehme WocheSabine

kralle 04/08/2009 17:27


Das heist, das du einer kirchlichen "Richtung" angehörst und nun deinen eigenen "Glaubensweg" suchst? Vielleicht hast du
ihn sogar schon gefunden?


LG rolf


Margot 04/06/2009 22:12

Ich oute mich hier als große Liebhaberin der Musik von Bach. Bin da unlängst über eine Aufnahme von Violinsonaten gestolpert, die mich begeistert hat. Was darin hörbar ist, ist der auch von dir zitierte Aufbruch in modernere Zeiten, aber auch das gleichzeitige Verharren in strengen Formen. Das Ergebnis ist von überirdischer Schönheit - so schön, dass es fast wehtut. Gefällt mir noch besser als Mozart, der auch überirdische Musik geschrieben hat. Eines meiner schönsten Erlebnisse hatte ich übrigens einmal in einer kleinen Kirche in Ungarn, wo ich fast die einzige Besucherin war und jemand auf der Orgel gespielt hat. Solche Klänge bewirken, dass ich mich kaum mehr von der Stelle bewegen kann vor lauter Andacht (was jetzt mit dem Glauben nichts zu tun hat). Was den Glauben betrifft, so lasse ich die Menschen glauben, was sie wollen, solange sie mich damit in Frieden lassen. Bin auf meiner ganz eigenen Suche und lasse mir da von niemandem dreinpfuschen.Liebe Grüße von Margot

kralle 04/07/2009 00:04


Das interessante war an diesem Konzert, dass genau an einer Stelle, nähmlich als der "Evangelist" -ein Tenor übrigens - die Stelle sang:"....und neigt das Haupt und stirbt...." eine absolute Stille
in der Kirche zu "hören" war. Nix. Wirklich garnix war zu hören. Das war irgendwie beklemmend. Ich habe in den 1970 Jahren das erste Mal richtig mit der Musik von Bach Bekanntschaft geschlossen.
Das war in Gera - ich glaube die ehemalige Frauenkirche bei uns. Jedenfalls stand oder steht sogar noch eine der wenigen "Silbermannorgeln". Und damals spielte, ich glaube Sitzmann hies er, ein
paar Stücke von Bach. Ich war hin und weg. Bin seid dem immer wenn ein Orgelkonzert von Bach war hingerannt. Ich bekomme meistens eine Gänsehaut und fange an hinweg zu gleiten..... Frage mich aber
nicht wohin. Jedenfalls bin ich hinterher meistens geschafft.


LG rolf


Doris 04/06/2009 22:05

Bach in einer Kirche von einer guten Orgel zu hören, das hat schon was. Leider habe ich hier wenig Gelegenheiten und da bleibt nur die Cd. Aber das ist eben nicht das Gleiche. LG Doris

kralle 04/06/2009 23:55


Da stimmt das Flair und die Akustik einfach. habe zwar auch mehr wie genug CD und noch LP's. Aber die Stimmung ist da ganz anders.



LG rolf


Regina 04/06/2009 09:17

Ochja an solchen Konzerten hab ich auch schon teilgenommen und ich war allein schon von der Akustik begeistert, da hatte ich das Gefühl die Musik kommt von überall, ich glaube also gerne das es ein Erlebnis war....Lieber Gruß Regina

kralle 04/06/2009 23:46


Das wiederrum ist der Vorteil von solchen Bauten. Die Musik wirkt am besten in Kirchen.


LG rolf


remo 04/06/2009 08:17

rolf, ...................nagativ!  ich weiss dass du das könntest. aber ich finds schon einfacher wenn wir bei einem 'bild' bleiben. vielleicht wäre es den andern gegenüber nicht ganz fair wenn die einen schreiben und die andern nicht........oder so!!!  sei tapfer, da musst du durch!!

kralle 04/06/2009 23:44


Dann könnte oder wird es wirklich sehr schwer für mich. Aber mal schauen.


rolf