Grippe
Grippe
Seit Tagen nun schon plagte mich diese innere Unruhe, dieses Gefühl das man häufig hat, als wenn man stundenlang in einem Entsafter zugebracht hätte.
Es war, als wenn alle Viren und Bakterien der näheren und weiteren Umgebung, sich zu den olympischen Winterspielen in meinem Körper versammelt hätten. Um dieser Sache Gewicht und entsprechende Wichtigkeit zu kommen zu lassen, hatten selbige biologische Eindringlinge meine innere gefühlte Körpertemperatur erst einmal auf das Niveau einer Südseeinsel bei 40 Grad im Schatten hoch geschaukelt. Aus diesem Grund konnte ich auch noch nicht mit bestimmter Sicherheit sagen, ob meine ungewollten Untermieter sich nun auf Erkältung, Grippe oder Lungenentzündung festlegen würden. Jedenfalls war das Spektrum an entsprechender Arznei weit gefächert, welche ich in mich hinein laufen lies. Mein Körper war in diesem Augenblick wie ein kleines chemisches Kraftwerk, Keine Ahnung was eigentlich schädlicher für mich war. Die Chemie, die sich in Form von verschiedenfarbigen Fläschchen und Tabletten mir aufdrängte und entsprechende Gesundheit vorgaukelte, oder die Viren und Bakterien. Es war äußerst unangenehm mit diesen Untermietern. Zumal sie ja auch daran schuld waren das meine Nase die Größe einer Gurke annahm und meine Stimme sich wie der Übergenuss von einer bestimmten Whiskymarke anhörte. Die Augen schienen nicht nur nach außen die Flucht ergreifen zu wollen, sondern suchten auch krampfhaft im inneren Bereich ihrer Höhle nach einem Ausweg. Die Form des Kopfes war zwar geblieben, fühlte sich aber an, wie ein Stahlwerk mit all seinen Hochöfen, Stanzen, Pressen und Walzstraßen. Kurz, ich fühlte mich Scheiße.
Dies war auch der Grund weswegen ich seit Tagen das Bett kaum verließ. Und da wir Männer ja bekanntlich gerne etwas übertreiben und eh auch etwas wehleidig sind, wird dieser äußerst unangenehme Zustand noch etwas zentralisiert und theatralisch hoch gepuscht. Auf einmal möchte man, muss man unbedingt das Zentrum der Milchstraße, des Universums sein. Wenn nicht, sterben wir halt, ohne noch viele Nichtigkeiten der Nachwelt hinter lassen zu haben. Aus diesem Grund hatte meine Frau beschlossen, den ansässigen Arzt zu konsultieren und zu einem Hausbesuch ein zu laden, welcher auch die Zeit und den Weg zu uns fand. An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, das wir am Ende eines kleinem Dorfes wohnten, an einer Stelle wo die Zivilisation aufhört und die Natur, zumindest was von ihr noch übrig war anfing. Also am Hintern der Welt. Nachdem sich also besagter Hausarzt durch die verschneite Tundra des hiesigen Gebietes durchgearbeitet hatte, stand er leicht unterkühlt bei uns in der überheizten Stube, um sich seines leicht sterbenden Notfalls, in diesem Fall war ich dies, an zu nehmen. Nach anfänglichen leichten Kommunikationsschwierigkeiten in Bezug auf die Diagnose, war er schließlich bereit mich zu untersuchen. Schließlich war ich es ja der im Sterben lag und den Hort sämtlicher Infektionen und Unbilden in mir trug. Nach dem ersten Abhören meiner aktiven Lungentätigkeit, sowie dem leichtem Echo meines Herzens, befühlte er noch eine äußerst empfindliche Stelle an meinem Bauch, mit dem Befund das ich mit Sicherheit noch keinen Stuhlgang in den letzten Tagen hatte. Aber das wusste ich ja selber. Es bedurfte also nicht erst der Analyse eines 10 Jahre studierten Fachmanns um festzustellen das ich gerne mal furzen würde, aber nicht konnte.
Nach einer fast geschlagenen Stunde, gespickt mit entsprechenden lateinischen und anderen Begriffen, die keiner außer selbiger Arzt auch nur annähernd verstand, sowie drei Tassen Kaffee und zwei Stück von meinem Lieblingskuchen, stand für unseren Gast eindeutig fest, das ich mein Leben doch noch nicht verwirkt hatte und nur unter einer leichten infektiösen Grippe mit all seiner Familie an Viren litt. Ein paar Tage das Bett hüten, etwas frische Luft und ein Samelsorium an Medikamenten, welcher einer gut ausgestatteten Apotheke alle Ehre erwiesen hätte, würde mich wieder zurück zu den Gesunden holen. Falls sich der jetzige Zustand verschlechtern würde, solle man ihn gleich anrufen und er würde nach dem Rechtem schauen.
Nun ja. Abgesehen davon geht es mir seit ein paar Tagen wirklich wieder besser, auch Dank der fürsorglichen Pflege meiner Frau und der Chemikalien die ich literweise einnehmen musste.
Nur eins verstehe ich nicht so richtig. Meine Frau klagt nun schon seit ein paar Tagen über Kopfschmerzen und anderen Unpässlichkeiten. Wieso sind Frauen so wehleidig und wollen gleich eins auf Krank machen? Diese Härte, wie sie uns Männern nun einmal eigen ist, werden Frauen nie bekommen. Auf der einen Seite leben sie unter uns, erfahren und durchleben unseren täglichen Kampf mit den Unbilden des Lebens, um auf der anderen Seite gleich wegen ein wenig Kopfschmerzen und leichter erhöhter Temperatur das Handtuch zu werfen. Es sind eben Frauen. Niemals werde ich es lernen sie zu verstehen.
In Liebe geht doch vieles gemeinsam besser.