1975 - 1977 / Zeitreise
1975 - 1977 vom ersten Ferienlager bis zum ersten Knutschfleck
Teil 1
Erziehung wäre ja etwas sinnvolles, wenn es Sinn macht und der „Erzogene“ - in diesem Fall ich - auch seine entsprechende Lehre daraus ziehen könnte. Aber wie das so oft bei jungen „Welpen“ ist...... sie hören nur wenn es sein muss und sie gerade es auch wollen.
So war es jedenfalls die meiste Zeit bei mir. Die erzieherischen Massnahmen meiner Mutter und die daraus „erzwungenen“ guten Vorsätze meiner seits, hielten wieder mal nicht lange an. Obwohl ich mir wirklich die grösste Mühe gab und versuchte es jedem Recht zu machen. Aber einer „Institution“ tritt man ja in solchen Fällen immer auf die bekannten Füsse. In meinem Fall waren es die Latschen meiner Direktorin. Diese Dame schien mich eh in die nähere Umgebung ihres Herzens geschlossen zu haben. Egal was ich machte oder gerade nicht anstellte, jedesmal mal stand ich im Verdacht und am Ende schlieslich bei ihr wieder vorm Schreibtisch. Einmal war es das Klavier im Musikzimmer, welches Dank von übergezogenen „Überziehern“ an einigen „Klavierhämmerchen“ leicht verstimmt war, oder es waren verklebte Steckdosenleisten im Physikraum. Was natürlich rein technisch vom Niveau eines gerade mal 13 jährigen eine Meisterleistung war, stiess im strom übertragendem Sinn auf wenig Gegenliebe bei den entsprechenden Fachlehrern. Die Palette der jugendlichen Kreativität war zu jener Zeit ungebremst, wurde aber leider nicht richtig gefördert und gewürdigt. Zudem kam meine Direktorin nicht im entferntesten auf den Gedanken, das bei fast eintausend Schülern, ja nicht nur einer für entsprechenden „Flächenbrand“ in solch einer Schule sorgen konnte und verantwortlich war. Aber es war immer einfach einen Schuldigen gleich bei der Hand zu haben, als zu suchen. Zudem:“Wer einmal aus dem Blechnapf frass.....“
Und so verbrachte ich noch zwei „wunderschöne“ Jahre zwischen Klassenzimmern, Direktorenbüro, Lehrerzimmern und nachmittaglichem Nachsitzen. Das interessante daran war allerdings, das meine schulischen Leistungen auch Dank der vielen Zuneigung und Zuwendungen seitens der Lehrer erheblich gesteigert wurde. Und man schlieslich erkennen musste, das ein Minenfeld gesichert war, aber die Qualität und Quantität der entsprechenden Entgleisungen weiter geführt wurden. So fiel ich langsam aber sicher wieder aus dem Fokus der „Beaufsichtigung“ und stand dem „Heer“ der jugendlichen Schulterroristen“ wieder hilfreich zur Verfügung.
Die Methoden wurden allseitig verfeinert, besser koordiniert und Dank des neuen Schulfaches „Chemie“ auf ein neues Niveau getrieben.
Irgendwann in jener Zeit, durfte ich auch das erste Mal in einem sogenannten „Betriebsferienlager“ zwei Wochen Urlaub machen. Zum damaligem Zeitpunkt konnte ich auch noch nicht ahnen, das es das letzte Mal sein würde.
Das Ferienlager wurde von dem VEB in dem meine Mutter beschäftigt war unterhalten. Es war ein grosses Lager mit vielen Holzbaracken, einem grossen Zaun und einem Schlagbaum inkl. KDP ( Kontrolldurchlassposten ). Also die typische verkleinerte Ausgabe der damaligen DDR. Aber als kleiner, bartloser, Thälmannpionier hatte man von solchen Dingen eh keine Ahnung. Und selbst wenn, wäre es egal gewesen, weil ja richtig und wichtig „zum Schutze der sozialistischen Errungenschaften“. Es spielte auch keine Rolle, dass sich dieses Lager nur ca. 20 Kilometer vor der eigenen Haustür befand und nicht an der Ostsee oder auf Kuba. Allerdings hielt die Freude dieser „Auszeichnung“ gerade mal zwei Tage. In diesen 48 Stunden zerlegte ich einen „volkseigenen“ Holzspinnt in seine vier Bestandteile und war der Grund, das ein „Mitinsasse“ jenes Lagers quer über den Scheitel eine vom Arzt sauber vernähte Kopfwunde mit nach Hause nahm. Als besondere Strafe meiner „Untat“ musste ich einen Brief an den Betriebsdirektor meiner Mutter schreiben und diesen persönlich durch ein Spallier stehender,finster schauender Jung und Thälmannpioniere zum Briefkasten tragen. Alle hatten extra ihr jeweiliges „Halstuch“ umgebunden. In dem Brief stand sinngemäss folgender Tatbestand.....
Aus dem Gedächtnisprotokoll:
„Lieber Genosse Direktor Sch.,
Leider ging der Schrank entzwei in den mich H. gesperrt hatte, nachdem ich das Messer zum wiederholten mal daraus holen wollte, welches er immer wieder rein warf. Auch der Hinweis das dies „sozialistisches“ Eigentum ist, half nichts. Er warf es wieder und ich holte es wieder da raus. Beim letzten Mal allerdings stiess er mich in den Schrank und schloss ihn ab. Ich wollte mich nur Umdrehen und Aufrichten, da fiel aber der Schrank schon auseinander. Unglücklicherweise stand H. noch davor. So fiel ein Teil des Inhaltes mir auf die Füsse und ihm auf den Kopf, weswegen er vom Lagerarzt wieder zugenäht werden musste.
Mit sozialistischem Gruss und ....immer Bereit.“
Dieser Brief wurde tasächlich an den Betrieb meiner Mutter und ich wieder nach Hause geschickt. Später erfuhr ich mal von besagtem Direktor, das man sich aufs köstlichste nicht nur über diesen Brief, sondern über die ganze Situation von damals amüsierte. Was schlieslich auch ein Grund gewesen sein durfte, dass ich nun in den Ferien bei meiner Mutter im Betrieb bei den Fleischern mit arbeiten durfte. Schlieslich war ich damals schon fast 1,80 Meter gross und auch entsprechend körperlich „ausgestattet“. Meiner Mutter war es allerdings peinlich. Sie brauchte aber zum Glück nie diesen Schrank zu ersetzen......
Dieses kleine Musikvideo soll nur einen kleinen Einblick in die künstlerischen Darbietungen der "Pioniere" jener Zeit vermitteln. Wir mussten zig von diesen Liedern nicht nur lernen, sondern wurden auch danach benotet. Das Schlimme an dieser "künstlerischen Gehirnmanipulation" war und ist.... wenn ich heute die ersten Takte eines solchen "Leides" höre, fällt mir automatisch fast der ganze Text nebst Melodie wieder ein und ich "muss" Mitsingen.
Teil 2 folgt schon bald.
Danke